“Heute ist Freitag? War nicht gestern noch Wochenende?”

18 03 2011

Seit 2 Wochen, … 2 Wochen, wo ist die Zeit hin? Jedenfalls bin ich jetzt schon so lange hier und hab im Prinzip auch jeden Tag gearbeitet. Vielleicht mal nur ein paar Stunden, aber doch irgendwie jeden Tag. So hab ich letzte Woche fast 50 zusammenbekommen – yay, ich sehe Geld! Diese Woche wird wohl auch nicht viel anders aussehen, ich versuche jedenfalls jede Arbeit zu nehmen, die ich kriegen kann. Deswegen hab ich hier auch noch nicht viel gesehen, aber das Gute ist ja: hier gibt es auch gar nichts 😀
Das Einzige, worauf man sich jeden Morgen freuen kann ist ein neuer spektakulärer Sonnenaufgang! Die Wolken stehen einfach immer anders, so dass der Himmel immer in anderen Konstellationen eingefärbt ist – einfach toll! Leider trau ich mich nicht meine Kamera mit auf die Arbeit zu nehmen um das einzufangen… Es ist einfach viel zu staubig da, das kann gar nicht gut ausgehen.
Und soviel zu meiner Arbeit: Im Prinzip mache ich jeden Tag was anderes, manchmal drei verschiedene Sachen am Tag, das macht die sowieso schon eintönige Arbeit zumindest etwas erträglicher. Wenn man dann auch noch in der Arbeitszeit rumfahren muss um zu einer anderen Arbeitsstelle zu kommen und für die Zeit trotzdem bezahlt wird freut einen das natürlich umso mehr.

Und was ich jetzt alles machen?

Onion Shed: Ganz am Anfang durfte ich beim In-Take sauber machen – das ist zwar übelst viel Dreck, aber da ist es (im Gegensatz zu allen anderen Arbeitsstellen) zumindest leise und man kann sich soviel Zeit lassen wie man möchte. Sonst steht eigentlich immer Grading an, das heißt man steht am Fließband und sortiert die schlechten Zwiebeln aus. Ja, sehr langweilig… besonders wenn man manchmal nicht Musik hören darf :/ Aber bis jetzt musste ich auch noch nie einen ganzen Tag dort am Fließband stehen, ich weiß also nicht wie sich das anfühlen muss. Zum Glück!

Harvesting: Jaja, die Ernte… wir stehen auf der Erntemaschine (faszinierendes Teil!) am Fließband und sortieren den Dreck von den Kartoffeln und Karotten aus, je nachdem was wir halt gerade machen. Die Kartoffeln sind übrigens um einiges angenehmen, dort klebt nicht soviel Dreck dran und überhaupt sind einfach viel einfacher. Karotten sind einfach grauenvoll… Von dem Geruch wird einem schlecht, die Teile sind übelst schwer (wir reden hier nicht von den kleinen orangenen, sondern von den riesigen weiß-gelben Karotten!) und überhaupt ist es einfach viel anstrengender da irgendwas rauszusuchen.

Carrot washing: Man steht am Fließband (das Ding schon wieder? Ja, wir stehen echt überall nur am Fließband…) und neben dir fallen die gewaschenen Karotten drauf, man muss nur das Grünzeug, Kartoffeln und orangene Karotten aussortieren. Das wäre eigentlich die angenehmste Arbeit, wenn man dabei nicht so übelst nass von den runterfallenden Kartoffeln werden würde. Und das wir danach auch noch die Arbeit der anderen machen dürfen – den Dreck auf dem Boden in die Boxen schippen – macht das auch nicht besser. Wenn das der Chef wüsste…

Also so sonderlich viel Spaß macht das alles nicht, ist halt wirklich fast alles Fließbandarbeit und in der Lautstärke hat man schon Glück wenn man etwas von seiner Musik verstehen, Gespräche sind da eigentlich gar nicht möglich. Aber wir arbeiten ganz oft um die 10 Stunden, das macht das schon wert.
Ich muss in Gedanken momentan echt alles mit Blenheim vergleichen – Wir haben soviel mehr Arbeit, kriegen auch mehr als den Mindestlohn gezahlt, Holiday Pay wird gleich mit überwiesen und nicht erst am Ende (dann können die einem das zumindest nicht mehr wegnehmen – Gott, wie ich die Leute in Blenheim inzwischen verabscheue u.û), wir leben nicht in übelst engen Zimmern, zahlen nur $70 anstatt $120 die Woche (na gut, dafür hatten wir dort eine tägliche Reinigungskraft hier müssen wir selber putzen, aber trotzdem!) und wenn wir wegen Regen nicht arbeiten können, wird die Miete noch nicht einmal abgezogen. Dort mussten wir jeden Tag $4 für den Transport bezahlen, hier haben wir zwei riesige Autos gestellt bekommen, mit denen wir sogar nach der Arbeit noch in die Stadt zum einkaufen fahren können, Handschuhe kriegen wir fast schon hinterhergeschmissen, dort haben wir für ein $0.99-Paar Handschuhe erst einmal $4,50 gezahlt. Und überhaupt mussten wir dort halt für alles noch extra bezahlen, während hier irgendwie alles selbstverständlich ist. Und überhaupt ist es eigentlich auch recht locker drauf – gestern durften wir mit dem Auto unseres Chefs vom Feld rüber zum Carrot Washing fahren, weil die anderen unser eigentliches Auto zum zurückkommen gebraucht haben. In Deutschland einfach schon mal das Auto vom Chef bekommen? Nee? Jaja, ist schon krass hier 😉
Aber “unser” Chef ist ja gar nicht der richtige Chef, sondern nur der Sohn, der halt auch relativ viel hier besitzt. Und das mit nur 26! Jedenfalls ist “unser” Chef halt richtig locker drauf, aber der eigentliche Chef ist richtig übel. Der ist echt nie zufrieden und meckert die ganze Zeit nur rum, muss sich halt immer aufspielen damit auch ja jeder weiß, wer hier das sagen halt und überhaupt… Halt wie fast jeder Chef, nur noch ein bisschen schlimmer. Aber ich hab zum Glück nicht allzu viel mit dem zu tun, der ist vor allem im Onion Shed und da bin ich ja nur alle paar Tage mal und in ein paar Tagen ist die Zwiebelzeit sowieso vorbei. Dann fangen wir mit Tag- und Nachtschichten in der Kartoffelernte an… Na das wird ein Spaß :/



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